





Quellenangabe: https://www.wxcharts.com
Der Jänner ist klimatologisch der kälteste Monat des Jahres. Auch wenn die Winter der letzten Jahre oft wechselhaft verlaufen sind, zeigt sich der heurige Jänner von einer Seite, die für Tirol durchaus typisch ist: dynamisch, immer wieder winterlich und mit mehreren Schneechancen, nicht nur in den Bergen, sondern auch in den Tälern.
Die aktuellen Ensemble-Prognosen sowie die Schneehöhenkarten der großen Wettermodelle deuten darauf hin, dass der Winter im Laufe des Monats immer wieder präsent bleibt.
Großwetterlage: Keine Blockade, sondern Bewegung!
Ein entscheidender Punkt vorweg:
Ein länger anhaltendes Hochdruckgebiet mit trockener, milder Luft ist derzeit nicht in Sicht. Stattdessen bleibt die Großwetterlage wechselhaft, geprägt von einer westlichen bis nordwestlichen Strömung. Tiefdruckgebiete ziehen wiederholt über Mitteleuropa hinweg und erfassen dabei auch den Alpenraum.
Diese Art von Wetterlage bringt zwar keine extreme Dauer-Kälte, sorgt aber immer wieder für Frontdurchgänge mit Niederschlägen, die im Winterhalbjahr häufig als Schnee fallen.
Temperaturen: Kaltluft als wichtiger Startfaktor
Die Ensemble-Verläufe zeigen, dass sich die Temperaturen im Jänner meist in einem winterlich brauchbaren Bereich bewegen:
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In den Tälern liegen sie oft um oder unter dem Gefrierpunkt
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In mittleren und höheren Lagen bleibt es klar winterlich
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Mildere Phasen sind vorhanden, aber meist nur von kurzer Dauer
Besonders wichtig ist, dass vor vielen Frontdurchgängen vorgekühlte Luft in den Tälern und inneralpinen Becken liegt. Diese Kaltluft wird nicht sofort verdrängt und begünstigt Schneefall bis in tiefere Lagen.
Warmfronten: Warum es oft länger schneit als gedacht!
Warmfronten werden häufig automatisch mit Regen in Verbindung gebracht. In Tirol trifft das im Winter jedoch nur eingeschränkt zu.
Typischer Ablauf bei Warmfronten:
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Niederschläge setzen zunächst als Schnee ein
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In inneralpinen Tälern kann es mehrere Stunden kräftig schneien
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Die Warmluft greift häufig erst spät durch
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Regenphasen bleiben oft kurz und lokal begrenzt
Gerade in geschützten Tälern kann sich so bereits eine beachtliche Schneedecke aufbauen, bevor sich die Niederschlagsart überhaupt ändert.
Niederschlagsabkühlung: Ein oft unterschätzter Winterfaktor!
Ein zentraler Mechanismus dabei ist die sogenannte Niederschlagsabkühlung.
Fällt Niederschlag in trockene oder nur leicht feuchte Luft, verdunstet ein Teil davon. Dieser Prozess entzieht der Umgebung Wärme, die Luft kühlt ab. Besonders in inneralpinen Lagen mit eingeschränktem Luftaustausch kann dieser Effekt mehrere Stunden anhalten.
Das bedeutet konkret:
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Schneefall kühlt die Luft zusätzlich ab
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Die Schneefallgrenze bleibt tiefer als erwartet
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Schnee bleibt Schnee, selbst wenn in der Höhe bereits mildere Luft ankommt
Gerade bei kräftigem, anhaltendem Niederschlag kann die Niederschlagsabkühlung dafür sorgen, dass es bis in viele Täler schneit, obwohl Temperaturkarten etwas anderes vermuten lassen.
Rückseitig meist rasch wieder kälter!
Nach dem Durchzug von Warmfronten folgt häufig relativ rasch die Kaltfront. Damit:
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sinken die Temperaturen wieder
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geht Regen erneut in Schnee über
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bleibt der zuvor gefallene Schnee oft erhalten
Diese Abfolge aus kurzer Milderung und anschließender Abkühlung ist typisch für den alpinen Winter und verhindert in vielen Fällen eine nachhaltige Schneeschmelze.
Niederschlag: Mehrere Ereignisse statt eines Extremereignisses
Die Niederschlags-Ensembles zeigen keine einzelne extreme Staulage, dafür aber:
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mehrere Niederschlagsphasen
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wiederholte Schneefälle
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eine gute Aufsummierung über den Monat hinweg
Gerade diese Abfolge ist für die Schneehöhen entscheidend. Viele mittelstarke Ereignisse bringen oft mehr nachhaltigen Schnee als ein einzelnes Starkereignis mit anschließender deutlicher Milderung.
Schneelage: Auch Täler mit realistischem Potenzial!
Die Schneehöhenprognosen zeichnen insgesamt ein positives Bild:
Berge und Staulagen
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deutlicher Schneezuwachs im Laufe des Jänners
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sehr gute Bedingungen für den Wintersport
Inneralpine Täler
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bei günstiger Frontenabfolge längere Schneefallphasen möglich
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zeitweise auch sehr schneereich
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entscheidend ist das Timing von Warmluft und Niederschlagsintensität
Inntal und tiefere Lagen
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stärker vom Fronten-Timing abhängig
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bei nächtlichen Fronten oder kräftigem Niederschlag ebenfalls gute Chancen auf Schnee
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keine Garantie für eine durchgehende Schneedecke, aber realistische Schneefenster
Gesamtfazit: Ein klassischer, chancenreicher Tiroler Wintermonat!
Vor allem inneralpine Regionen haben gute Chancen, zeitweise deutlich unter Schnee zu liegen. In den Bergen bleibt der Winter ohnehin klar tonangebend.
Wir beobachten weiterhin genau, wie sich die einzelnen Fronten entwickeln, denn gerade im Detail entscheidet sich, ob aus einem normalen Schneefall ein richtig schneereiches Ereignis wird.
Euer Wetterfrosch Markus und Andrea von Sturm und Gewitterjagd Tirol.