Winter 2026/27: Polarwirbel zeigt stärkeres Störungssignal
Der Polarwirbel zeigt für Anfang November ein ungewöhnlich starkes Störungssignal. Was das für den Winter 2026/27 in Europa und den Alpen bedeuten könnte.

Winter 2026/27: Polarwirbel zeigt deutlich stärkeres Störungssignal
Stand: 25. Oktober 2026
Beim Wintertrend 2026/2027 gibt es eine neue und durchaus interessante Entwicklung. Die aktuellen Ensemble-Berechnungen zeigen Anfang November ein deutlich stärkeres Störungssignal beim stratosphärischen Polarwirbel als noch vor wenigen Tagen.
Damit rückt ein Faktor stärker in den Fokus, der den weiteren Verlauf des Winters über Europa und dem Alpenraum erheblich beeinflussen könnte.
Polarwirbel schwächt sich deutlich ab
Die aktuellen ECMWF-Ensembleberechnungen zeigen für Anfang November eine ungewöhnlich starke Abschwächung der zonalen Westwinde in der Stratosphäre.
In rund 30 Kilometern Höhe, also im Bereich von etwa 10 hPa und 60 Grad nördlicher Breite, liegt die Strömung aktuell bei ungefähr 23 Metern pro Sekunde.
Für den Zeitraum um den 7. November wird in den aktuellen Berechnungen teilweise nur noch eine Geschwindigkeit von ungefähr 4 Metern pro Sekunde simuliert.
Das ist für diese Jahreszeit auffällig, denn normalerweise verstärkt sich der Polarwirbel im Herbst zunehmend.
Ein Teil der Ensembles berechnet sogar eine Windumkehr
Besonders interessant ist die Streuung innerhalb des ECMWF-Ensembles.
Ein erheblicher Teil der Ensemblemitglieder berechnet bis zum 8. November sogar eine vollständige Umkehr der zonalen Winde in der Stratosphäre.
Damit wäre der Polarwirbel zumindest vorübergehend außergewöhnlich stark gestört.
Wichtig ist allerdings: Der Hauptlauf des ECMWF zeigt derzeit noch nicht eindeutig eine vollständige Windumkehr. Es handelt sich also weiterhin um ein ernstzunehmendes Modellsignal, aber noch nicht um ein bestätigtes Ereignis.
Noch keine bestätigte plötzliche Stratosphärenerwärmung
Eine solche Abschwächung darf nicht automatisch mit einer sogenannten Sudden Stratospheric Warming, kurz SSW, gleichgesetzt werden.
Für eine klassische SSW müssen bestimmte meteorologische Kriterien erfüllt sein, unter anderem eine deutliche Erwärmung der polaren Stratosphäre und eine Umkehr der zonalen Winde.
Aktuell sehen wir vor allem ein ungewöhnlich starkes Störungssignal.
Ob daraus tatsächlich eine vollständige SSW entsteht, müssen die kommenden Modellläufe zeigen.
Was bedeutet das für Europa?
Eine deutliche Schwächung oder Verformung des Polarwirbels kann die Wahrscheinlichkeit für spätere Kaltluftvorstöße in die mittleren Breiten erhöhen.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Europa oder Mitteleuropa kalt werden.
Die arktische Kaltluft kann je nach Lage der Drucksysteme auch Richtung Nordamerika oder Asien ausbrechen.
Für Europa wird deshalb entscheidend sein, wie sich gleichzeitig die großräumigen Druckmuster über dem Nordatlantik entwickeln.
NAO und AO bleiben entscheidend
Besonders wichtig bleiben die Nordatlantische Oszillation, kurz NAO, sowie die Arktische Oszillation, kurz AO.
Eine negative Phase von NAO oder AO könnte zusammen mit einem geschwächten Polarwirbel die Wahrscheinlichkeit für blockierende Hochdrucklagen und Kaltluftvorstöße Richtung Mitteleuropa erhöhen.
Aktuell gibt es dafür aber noch kein ausreichend belastbares Langfristsignal.
Der milde Grundtrend bleibt bestehen
Trotz der auffälligen Entwicklung beim Polarwirbel bleibt der saisonale Grundtrend für Europa derzeit überwiegend mild.
Die Oktoberläufe der saisonalen Modelle zeigen weiterhin positive Temperaturabweichungen über großen Teilen Europas.
Damit bleibt ein insgesamt überdurchschnittlich warmer Winter weiterhin wahrscheinlicher als ein durchgehend kalter Winter.
Das schließt einzelne kräftige Kältephasen allerdings ausdrücklich nicht aus.
Schnee im Alpenraum bleibt unsicher
Auch beim Schneesignal gibt es derzeit keine eindeutige Trendwende.
In tiefen und mittleren Lagen bleibt das Risiko für längere schneearme Phasen erhöht.
In den höheren Lagen der Alpen sind die Chancen weiterhin deutlich besser, besonders wenn feuchte Atlantikluft auf ausreichend kalte Luftmassen trifft.
Gerade oberhalb von etwa 1.800 bis 2.000 Metern können trotz milder saisonaler Grundtendenz größere Schneemengen auftreten.
El Niño bleibt ein wichtiger Hintergrundfaktor
Der sehr starke El Niño bleibt weiterhin ein wesentlicher Bestandteil der globalen Wetterentwicklung für den Winter 2026/2027.
Für Europa sind die Auswirkungen allerdings deutlich indirekter als beispielsweise für Nordamerika.
El Niño beeinflusst die großräumige Zirkulation und kann dadurch auch den Jetstream sowie die Druckverteilung über dem Nordatlantik mitprägen.
Er entscheidet aber nicht alleine darüber, wie kalt oder schneereich der Winter bei uns ausfällt.
Was bedeutet das für Österreich und Tirol?
Für Österreich und Tirol ist vor allem eines entscheidend:
Eine frühe Störung des Polarwirbels könnte das Potenzial für spätere Kaltluftvorstöße erhöhen, sie garantiert aber noch keinen kalten oder schneereichen Winter.
Derzeit bleibt das wahrscheinlichste Szenario ein insgesamt milder Winter mit wechselhaften Phasen.
Interessanter werden insbesondere jene Zeiträume, in denen sich mögliche Polarwirbelstörungen mit einer negativen NAO oder AO kombinieren.
Dann könnten sich auch für Mitteleuropa günstigere Voraussetzungen für markante Wintereinbrüche ergeben.
Unser aktuelles Fazit
Die stärkere Abschwächung des Polarwirbels Anfang November ist derzeit die relevanteste neue Entwicklung beim Wintertrend 2026/2027.
Das Signal ist auffällig und sollte in den kommenden Modellläufen genau beobachtet werden.
Eine vollständige Trendwende hin zu einem kalten Winter lässt sich daraus allerdings noch nicht ableiten.
Der milde Grundtrend bleibt bestehen, gleichzeitig steigt aber die Aufmerksamkeit für mögliche dynamischere Kältephasen im weiteren Winterverlauf.
Besonders entscheidend werden in den kommenden Wochen die Entwicklung von NAO, AO, Polarwirbel und die Novemberläufe der saisonalen Modelle sein.
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