Winter 2026/2027: Erste Prognose für Europa
Winter 2026/2027: Erste saisonale Modelle zeigen El Niño, milde Trends, Schneesignale und mögliche Polarwirbel-Störungen für Europa.
Winter 2026/2027 in Europa: Super-El-Niño wird zum Schlüsselfaktor!
Erste saisonale Wintertrends zeigen eine auffällige Großwetterlage – mildere Grundtendenz für Europa, viel Atlantik-Einfluss und dennoch Chancen auf markante Kälte- und Schneeperioden
Stand: 26. August 2026
Der Winter 2026/2027 rückt zunehmend in den Fokus der saisonalen Wettermodelle. Und dieses Jahr gibt es bereits ungewöhnlich starke Signale im globalen Klimasystem. Im tropischen Pazifik hat sich El Niño deutlich verstärkt und könnte während des Herbstes und Winters außergewöhnliche Dimensionen erreichen.
NOAA geht aktuell von einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent für einen sehr starken El Niño im Herbst und Winter 2026/2027 aus. Für den Zeitraum Oktober bis Dezember 2026 wird sogar eine Wahrscheinlichkeit von rund 69 Prozent für ein historisch außergewöhnlich starkes Ereignis angegeben.
Damit steht bereits Ende August fest: El Niño dürfte einer der wichtigsten globalen Faktoren für den kommenden Winter werden.
🌊 Ein außergewöhnlich starker El Niño entwickelt sich
Die Entwicklung im tropischen Pazifik ist bemerkenswert. Mitte August lag der wöchentliche Niño-3.4-Index zeitweise bei etwa +2,7 °C. Das internationale IRI-Modellensemble zeigt bei einem Großteil der Modelle einen sehr starken El Niño bis in den Winter hinein.
Für Oktober bis Dezember prognostizieren sogar zahlreiche Modelle Werte von +3 °C oder darüber im Niño-3.4-Gebiet. Der Begriff „Super-El-Niño“ ist dabei keine offizielle meteorologische Kategorie, wird jedoch häufig für außergewöhnlich starke Ereignisse verwendet.
Ein solcher El Niño beeinflusst die großräumige atmosphärische Zirkulation, verändert die Position und Stärke der Jetstreams und kann dadurch auch weit entfernt vom Pazifik Auswirkungen haben.
Europa reagiert allerdings wesentlich komplizierter auf El Niño als beispielsweise Nordamerika.
🇪🇺 Was zeigen die ersten Signale für Europa?
Die derzeitigen saisonalen Berechnungen zeigen für Europa ein relativ deutliches Grundmuster:
Über dem Nordatlantik und Teilen Nord- beziehungsweise Nordwesteuropas wird ein vergleichsweise tiefer Luftdruck simuliert. Gleichzeitig zeigen sich südlich davon häufiger positive Druckabweichungen.
Dadurch könnte sich ein relativ kräftiger Luftdruckgradient zwischen Nord- und Südeuropa aufbauen.
Die mögliche Folge:
Eine häufig westliche bis südwestliche Strömung über weiten Teilen Europas.
Atlantische Tiefdruckgebiete könnten dadurch wiederholt milde und feuchte Luftmassen weit nach Mitteleuropa transportieren. Die aktuellen August-Trends des ECMWF zeigen deshalb für den meteorologischen Winter Dezember bis Februar überwiegend überdurchschnittliche Temperaturen in großen Teilen Europas.
🌡️ Temperaturtrend: mildere Grundtendenz
Momentan deutet vieles darauf hin, dass der Winter 2026/2027 im europäischen Flächenmittel eher auf der milden Seite liegen könnte.
Besonders eine häufige West- oder Südwestströmung wäre für einen dauerhaft kalten Winter in Mittel- und Westeuropa ungünstig.
Das bedeutet aber keineswegs, dass drei Monate lang mildes Wetter herrscht.
Eine saisonale Temperaturprognose beschreibt lediglich den Durchschnitt eines langen Zeitraums. Selbst ein insgesamt deutlich zu warmer Winter kann mehrere intensive Kältewellen enthalten.
Gerade diese Unterbrechungen könnten im kommenden Winter besonders interessant werden.
❄️ Schnee: Schwieriges Signal für das europäische Flachland
Für Schneefreunde liefern die ersten Modelle zunächst ein eher gedämpftes Signal.
Bei einer überwiegend westlichen Strömung gelangt häufig relativ milde Atlantikluft nach Europa. Dadurch könnten besonders in tieferen Lagen West- und Mitteleuropas längere Schneedecken schwieriger werden.
Die saisonalen Schneefallsignale zeigen derzeit die besseren Chancen vor allem:
in Nordeuropa, in Nordosteuropa sowie in höheren Lagen Mitteleuropas und im Alpenraum.
Für die Alpen ist dabei ein entscheidender Punkt wichtig:
🏔️ Viel Niederschlag bedeutet nicht automatisch wenig Schnee
Eine aktive Westströmung könnte gleichzeitig viel Feuchtigkeit vom Atlantik nach Mitteleuropa transportieren.
Liegt die Schneefallgrenze hoch, fällt ein großer Teil davon als Regen. Kommt jedoch während einzelner Tiefdruckentwicklungen ausreichend kalte Luft nach Mitteleuropa, können gerade die Alpen erhebliche Schneemengen erhalten.
Für Österreich, die Schweiz und die höheren Alpenregionen könnte der Winter deshalb trotz milder saisonaler Grundtendenz durchaus interessante Schneeperioden bringen.
Entscheidend wird sein, wie häufig sich kalte Luft auf der Rückseite atlantischer Tiefdruckgebiete bis zu den Alpen durchsetzen kann.
🌧️ Ein möglicherweise niederschlagsreicher Winter
Die aktuellen saisonalen Muster sprechen außerdem dafür, dass Teile Nord-, West- und Mitteleuropas immer wieder unter dem Einfluss atlantischer Tiefdruckgebiete stehen könnten.
Ein starker Westwindgürtel würde viel Feuchtigkeit nach Europa transportieren.
Damit wäre durchaus eine Kombination möglich aus:
überdurchschnittlichen Temperaturen und gleichzeitig überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen.
Das ist kein Widerspruch.
Gerade im Alpenraum entscheidet letztlich die Temperatur darüber, ob diese Niederschläge als Regen oder Schnee fallen.
🌀 Der Polarwirbel könnte zum großen Unsicherheitsfaktor werden
Besonders spannend sind erste Signale aus der Stratosphäre.
Für den Winter 2026/2027 gibt es Hinweise darauf, dass der Polarwirbel zeitweise störanfälliger beziehungsweise geschwächt sein könnte. Einige frühe Langfristberechnungen zeigen insbesondere Richtung Januar entsprechende Signale.
Der Polarwirbel ist ein riesiges Tiefdrucksystem über der Arktis, das sich während des Winterhalbjahres bis weit in die Stratosphäre erstreckt.
Ist er stark und kompakt, bleibt die extrem kalte arktische Luft häufig stärker im hohen Norden gebunden.
Wird der Polarwirbel dagegen deutlich gestört oder gespalten, kann sich die großräumige Zirkulation verändern. Dadurch können arktische Luftmassen wesentlich weiter nach Süden vorstoßen.
⚠️ Aber Vorsicht
Eine mögliche Schwächung des Polarwirbels lässt sich im August noch nicht als konkretes Stratosphären-Warming oder als Kältewelle für Europa vorhersagen.
Selbst bei einer starken Störung des Polarwirbels ist nicht garantiert, dass Europa die kalte Seite der Zirkulation abbekommt. Die Kaltluft könnte ebenso Richtung Nordamerika oder Asien ausbrechen.
Genau deshalb bleibt dieser Faktor eine der größten Unbekannten des kommenden Winters.
🧩 Warum Europa besonders schwierig vorherzusagen ist
Während El Niño über Nordamerika relativ typische Auswirkungen auf den Jetstream hervorruft, ist die Verbindung zu Europa deutlich indirekter.
Für unseren Winter spielen zusätzlich mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle:
-
die Nordatlantische Oszillation NAO
-
die Arktische Oszillation AO
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der Zustand des Polarwirbels
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die Meeresoberflächentemperaturen des Nordatlantiks
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die QBO in der Stratosphäre
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mögliche Blockierungen über Grönland oder Skandinavien
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die Position der atlantischen Tiefdruckbahn
Bereits kleine Veränderungen dieser Faktoren können darüber entscheiden, ob Mitteleuropa tagelang milde Atlantikluft bekommt oder plötzlich arktische Kaltluft aus Nord beziehungsweise Nordost einströmt.
🇦🇹 Was könnte das für Österreich und den Alpenraum bedeuten?
Für Österreich lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine seriöse regionale Winterprognose erstellen.
Das derzeitige Großmuster würde jedoch zunächst folgende Tendenz ergeben:
Mildere Grundtendenz – wechselhaft – wiederholt atlantische Tiefdruckgebiete – Schnee vor allem im Bergland – dazwischen weiterhin Chancen auf markante Kaltlufteinbrüche.
Besonders interessant wären Tiefdruckgebiete, die südlich oder südöstlich der Alpen ziehen. Treffen diese Systeme auf ausreichend kalte Luft, könnten auch während eines insgesamt milden Winters kräftige Schneefälle bis in tiefere Lagen auftreten.
Ob solche Situationen häufiger vorkommen werden, lässt sich Ende August jedoch noch nicht beurteilen.
📊 Saisonmodelle sind keine normale Wettervorhersage
Bei solchen Langfristprognosen ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.
Ein saisonales Modell sagt nicht voraus, welches Wetter beispielsweise am 10. Januar in Tirol herrschen wird.
Die Modelle berechnen vielmehr Wahrscheinlichkeiten für großräumige Abweichungen über mehrere Wochen oder Monate.
Auch ECMWF betont ausdrücklich die erhebliche Unsicherheit saisonaler Vorhersagen. Gerade regionale Auswirkungen eines El Niño können deutlich von den durchschnittlichen historischen Mustern abweichen.
Deshalb sollte man aus den aktuellen Karten keinesfalls Schlagzeilen wie „Jahrhundertwinter sicher“ oder „Winter fällt komplett aus“ ableiten.
Beides wäre Ende August unseriös.
🔎 Unser erstes Fazit zum Winter 2026/2027
Der kommende Winter besitzt bereits jetzt einige außergewöhnliche Zutaten.
Allen voran steht ein sehr starker und möglicherweise historisch außergewöhnlicher El Niño, dessen Entwicklung inzwischen deutlich weiter fortgeschritten ist als noch im Frühjahr.
Für Europa zeigen die saisonalen Modelle derzeit eine überwiegend mildere und atlantisch geprägte Grundtendenz.
Ein klassischer, durchgehend kalter Winter ist nach dem momentanen Signal eher nicht die wahrscheinlichste Variante.
Doch genau hier wird es interessant:
Ein möglicherweise störanfälliger Polarwirbel, Veränderungen der Nordatlantik-Zirkulation und einzelne Blockadelagen könnten die milde Grundströmung zeitweise deutlich unterbrechen.
Damit wäre ein Winter denkbar, der im Monats- oder Saisonmittel zu mild ausfällt, gleichzeitig aber mehrere kräftige Wintereinbrüche mit Frost und Schnee hervorbringt.
Gerade für die Alpen könnten solche kurzen, intensiven Winterphasen entscheidender werden als der saisonale Mittelwert.
Noch ist es viel zu früh für eine endgültige Winterprognose. Die Signale für 2026/2027 sind jedoch außergewöhnlich spannend – und mit jedem neuen Modelllauf im September, Oktober und November wird sich das Bild deutlich schärfen.
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